Montag, 12.10.2026

„Eine unvorstellbare Sehnsucht nach Frieden“ Ausstellung mit Feldpostbriefen von Paul Lefmann im St. Joseph-Stift

Das St. Joseph-Stift zeigt ab dem 20. Oktober 2026 die Ausstellung „Eine unvorstellbare Sehnsucht nach Frieden“. Feldpostbriefe aus den Jahren 1915 bis 1918, Fotografien und Dokumente erzählen die Geschichte des Bremer Musikers und Soldaten Paul Lefmann (1893–1929) während des Ersten Weltkriegs. Die Ausstellung wurde im Rahmen von Geschichtsleistungskursen an der St. Johannis-Schule Bremen konzipiert.

Wie lebt ein Mensch im Krieg weiter? Was hält ihn aufrecht? Und was bleibt von einem Leben, wenn mehr als hundert Jahre später nur Briefe, Fotografien und wenige Dokumente davon erzählen?

Dabei entsteht in der Ausstellung „Eine unvorstellbare Sehnsucht nach Frieden“ kein Bild vom Krieg aus der Perspektive großer Schlachten, Generäle oder politischer Entscheidungen. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein einzelner Mensch: seine Gedanken, sein Alltag, seine Beziehungen, seine Ängste und Hoffnungen – und immer wieder seine Sehnsucht nach einem Ende des Krieges.

Die Briefe führen unter anderem nach Pignicourt und Rethel in Nordfrankreich. Sie erzählen vom Leben fern der Heimat, von langen Zeiten des Wartens, von Unsicherheit und Bedrohung, aber auch davon, wie Menschen selbst unter den Bedingungen des Krieges versuchen, sich ein Stück Normalität und Menschlichkeit zu bewahren.

Die Ausstellung besteht aus 18 Tafeln. Sie verbindet historische Hintergrundinformationen mit Auszügen aus den Feldpostbriefen, Fotografien und Dokumenten. Außerdem informiert sie über Paul Lefmanns Biografie und die Orte, an denen er während des Krieges lebte. So wird Geschichte über die Erfahrungen eines einzelnen Menschen unmittelbar erfahrbar.

Von der schulischen Recherche zum öffentlichen Erinnerungsprojekt

Unter der Leitung ihrer Lehrer Dr. Oliver Rosteck und Sebastian Rothe untersuchten 42 Schülerinnen und Schüler der Geschichtsleistungskurse der St. Johannis-Schule in Bremen insgesamt 440 Feldpostbriefe von Paul Lefmann. Damit zeichneten sie nicht nur das Wirken des Bremer Musikers an der Front nach, sondern warfen auch Fragen auf, die über seine persönliche Geschichte hinausgehen und bis heute aktuell sind.

Aus der schulischen Arbeit entwickelte sich ein öffentliches Erinnerungsprojekt. Die Ausstellung möchte Menschen auch außerhalb von Schule und Geschichtsunterricht erreichen und dazu anregen, über Krieg, Frieden und die Bedeutung persönlicher Erinnerung nachzudenken.

Die Präsentation im St. Joseph-Stift verleiht den Briefen eine besondere Aktualität. Ein Krankenhaus ist ein Ort, an dem menschliche Verletzlichkeit besonders sichtbar wird – zugleich aber auch Fürsorge, Hoffnung und das Bemühen um Heilung. In diesem Umfeld erzählen die Briefe von einem Menschen in einer Welt der Gewalt, der sich dennoch mit Büchern, Musik, anderen Menschen und einer Zukunft nach dem Krieg beschäftigte.

Die Ausstellung erinnert damit nicht nur an ein historisches Geschehen. Sie stellt auch eine bis heute aktuelle Frage: Was bewahrt Menschlichkeit in Zeiten, in denen die Welt unmenschlich zu werden droht?

Die Ausstellung ist vom 20. Oktober bis 10. November 2026 im Glasgang zum ärztehaus st. marien (Schwachhauser Heerstraße 52a, Bremen) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 8:00 - 18:00 Uhr.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der dazugehörigen Website.