Das Klinische Ethik-Komitee (KEK) befasst sich mit ethischen Fragestellungen und Konflikten im Krankenhaus. Es unterstützt Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie deren Zugehörige und Bevollmächtigte dabei, ausgewogene und tragfähige Lösungen zu finden. In individuellen Konfliktfällen bringt die klinische Ethikberatung die unterschiedlichen Sichtweisen der Beteiligten zusammen und hält die gemeinsam getroffenen Entscheidungen schriftlich fest. Themen sind unter anderem Patientenverfügungen, Therapiebegrenzungen und der Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen. Darüber hinaus entwickelt das KEK ethische Leitlinien für den klinischen Alltag, etwa zum Verzicht auf Wiederbelebung.
Außerdem bietet das KEK regelmäßige Fortbildungen an. Dabei greift es Themen aus dem medizinischen Alltag und der gesellschaftlichen Diskussion auf. Das Spektrum reicht dabei von „Angelina Jolie als Vorbild – prädiktive Genetik und Brustkrebs“ über „Schwangerschaftskonflikte im konfessionellen Krankenhaus“ bis hin zu „Formen der Sterbehilfe und deren moralische und juristische Bewertung“.
Jubiläumsveranstaltung mit Prof. Dr. Giovanni Maio
Das 20-jährige Bestehen des Klinischen Ethik-Komitees wird im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung gewürdigt. Als Referent konnte der Medizinethiker Giovanni Maio gewonnen werden. In seinem Impulsreferat spricht er über „Das Besondere des Hörens“.
Giovanni Maio beschäftigt sich darin mit dem tiefgreifenden Wandel der Medizin. Zunehmend werde die Medizin wie ein Industrieunternehmen gesteuert, in dem die Herstellung objektivierbarer Produkte im Mittelpunkt stehe – als gehe es in der Medizin nicht um Menschen, sondern um zu produzierende Güter. Gerade in einer solchen Zeit sei es wichtig, innezuhalten und darüber nachzudenken, worin die eigentliche Leistung der Heilberufe liege.
Ob ein Eingriff notwendig medizinisch angezeigt oder sinnvoll sei, lasse sich nicht allein anhand objektiver Fakten beurteilen. Entscheidend sei vielmehr die Verbindung von medizinischem Fachwissen mit einem Verständnis für die Lebenswelt des kranken Menschen. Diese Einsicht entstehe nicht allein durch bildgebende Verfahren oder Laborbefunde. Sie gewinne sich vor allem aus dem Zusammenspiel objektiver Befunde mit dem, was Patientinnen oder Patienten über ihre Situation berichten. Kurz gesagt; sie erfordere aufmerksames Zuhören.
Dieses Zuhören werde jeden Tag geleistet, aber kaum jemand erkenne an, was dabei geleistet werde. Der Vortrag geht daher der Bedeutung des Hörens auf den Grund und zeigt, welche Rolle es für die Heilberufe spielt.
Über Prof. Dr. Giovanni Maio:
Prof. Dr. Giovanni Maio, geboren 1964 in San Fele, Italien, studierte Medizin und Philosophie in Freiburg, Straßburg und Hagen. Nach seiner Promotion und mehrjähriger klinischer Tätigkeit habilitierte er sich 2000 im Fach „Ethik und Geschichte der Medizin“. Seit 2005 ist er Professor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Direktor des dortigen Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin.
2011 veröffentlichte Maio das Lehrbuch Mittelpunkt Mensch, das anhand von Praxisbeispielen in die philosophischen Grundlagen der Medizinethik einführt und heute als Standardwerk gilt. Er ist unter anderem Mitglied der Zentralen Ethikkommission für Stammzellenforschung sowie des Ausschusses für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer.
Programm
- 17.00 Uhr:Empfang, Begrüßung und Verabschiedung von R. Gilster
- 17.30 Uhr:„Das Besondere des Hörens“ – Giovanni Maio
- 18.30 Uhr:Gelegenheit zum Austausch
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung unter mam@sjs-bremen.de oder (0421) 347-347 ist aufgrund limitierter Plätze erforderlich.
Datum: 3. November 2026<
Beginn: 17.00 Uhr
Ort: Glaspassage zwischen dem ärztehaus st. marien und dem Krankenhaus St. Joseph-Stift, erreichbar über den Eingang Schwachhauser Heerstraße 52a.



